Ressourcen für unregelmäßiges Einkommen: Was Finanzexperten wirklich nutzen
Traditionelle Budgetratgeber gehen von einem festen Monatsgehalt aus. 50 Prozent für Fixkosten, 30 Prozent für Freizeit, 20 Prozent sparen. Diese Formel funktioniert nicht, wenn dein Einkommen zwischen 1.800 und 4.200 Euro schwankt.
Wir haben drei Berater befragt, die auf einkommensbasierte Budgetierung spezialisiert sind. Ihre Antworten waren konkreter als erwartet.
Der Puffer-basierte Ansatz
Sandra Becker arbeitet hauptsächlich mit Freiberuflern. Ihre Methode beginnt nicht mit Prozentsätzen, sondern mit einer einfachen Frage: Was ist dein niedrigstes monatliches Einkommen der letzten zwölf Monate? Dieser Betrag wird zur Basis.
Sie lässt ihre Klienten alle fixen Kosten von diesem Mindestbetrag abziehen. Miete, Versicherungen, Kredite, Sparraten. Was übrig bleibt, ist das verfügbare Budget. Alles, was über den Mindestbetrag hinaus verdient wird, geht in drei Töpfe: Steuern, Notfallfonds, freie Verfügung.
Ein Klient verdient zwischen 2.100 und 3.600 Euro. Seine Fixkosten liegen bei 1.400 Euro. Er plant mit 700 Euro für variables Budget. In guten Monaten landen 1.500 Euro im Pufferkonto. Nach einem Jahr hatte er sechs Monate Fixkosten als Reserve.
Welche Bücher tatsächlich helfen
Alle drei Berater erwähnten das gleiche Buch: Profit First von Mike Michalowicz. Ursprünglich für Unternehmen geschrieben, funktioniert die Methode auch für persönliche Finanzen. Die Grundidee: Spare zuerst, lebe vom Rest.
Statt monatlich zu schauen, was übrig bleibt, ziehst du sofort 20 Prozent ab und verteilst den Rest auf verschiedene Konten. Ein Konto für Fixkosten, eins für variables Budget, eins für unregelmäßige Ausgaben wie Versicherungsprämien.
Online-Rechner statt Apps
Interessanterweise nutzen zwei der drei Berater keine Budget-Apps. Sie arbeiten mit einem selbst gebauten Google Spreadsheet und einem einfachen Prozentrechner. Ihr Argument: Apps sind für durchschnittliche Nutzer gemacht. Wer vom Durchschnitt abweicht, braucht individuelle Lösungen.
Der dritte Berater, Thomas Klein, nutzt eine Kombination aus YNAB und einem eigenen Excel-Template. YNAB für die täglichen Ausgaben, Excel für die langfristige Planung mit verschiedenen Einkommensszenarien. Jeden Monat aktualisiert er die Prognose basierend auf den tatsächlichen Zahlen.
Podcasts und Communities
Zwei Podcast-Empfehlungen kamen mehrfach vor: Die Finanzrocker und der Zendepot-Podcast. Beide behandeln regelmäßig Themen rund um unregelmäßiges Einkommen und Selbstständigkeit. Die Reddit-Community r/Finanzen wurde ebenfalls genannt, allerdings mit dem Hinweis, kritisch zu filtern. Viele Ratschläge dort basieren auf Annahmen, die für Festangestellte gelten.